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„Der Patient muss im Vordergrund stehen“

18.03.2022

Krankenhausgeschäftsführer fordert Unterstützung des Bundes und Neuregelung der Finanzierung für deutsche Kliniken

 

Der Countdown läuft: Am morgigen Samstag, 19. März 2022, laufen die Ausgleichszahlungen des Bundes für die pandemiebedingten Erlösausfälle an bundesdeutsche Krankenhäuser aus. Der aktuell vorliegende Gesetzentwurf des Infektionsschutzgesetzes lässt jedoch die notwendige Verlängerung der finanziellen Ausgleichsmaßnahmen, trotz Aufzeigen der Konsequenzen für die Versorgungslandschaft, komplett außer Acht. Dies hat der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz, Guido Wernert, erneut moniert. Nach seiner Überzeugung müsse die Politik hier dringend nachbessern, dies sei eine seit Monaten anstehende Entscheidung. Unbestätigten Gerüchten zufolge seien demgegenüber Teile der Bundesregierung der Auffassung, die pandemiebedingte Unterstützung der Kliniken müsse ein Ende haben. Man könne nur hoffen, dass dies nicht den Tatsachen entspreche: „Wie von der Politik gern aus Kostengründen propagiert, wird die Lage ab 19.3. nicht anders sein als bisher. Der Patient muss wie in den bisherigen Covid-Wellen auch jetzt im Vordergrund stehen.“ Angesichts grassierender Inzidenzzahlen bei gleichzeitiger Vorbereitung des `Freedom-Day`, werde die Betriebsbereitschaft deutscher Krankenhäuser wegen weiteren Quarantänen von Mitarbeiter sowie der Betreuung vieler Covid-Patienten nur bei 80 Prozent liegen können, so der Klinikgeschäftsführer. Fallen die bisherigen Regelungen am 19.3. ersatzlos weg, fehlten ab 19.3. den Krankenhäusern für jeden Laien erkennbar 20 Prozent der Einnahmen für die Vorhaltung der medizinisch-pflegerischen Versorgung, so Wernert.

 

Schon in „normalen“ Zeiten sei es schwierig für die Kliniken. Denn das aktuelle Finanzierungssystem biete keine krisenfeste Absicherung, konstatiert Wernert. „Deshalb brauchen wir darüber auch mittelfristig eine sachgerechte Neuregelung der Krankenhausfinanzierung, um die Vorhaltung unserer medizinischen Infrastruktur nachhaltig zu sichern. „Es geht darum, die Daseinsvorsorge unserer Kliniken abzufedern. Es geht um die Sicherung einer medizinisch-pflegerischen Versorgung, um die uns andere Länder in der Welt beneiden“, betont der Krankenhausgeschäftsführer. Schon lange kämpften deutsche Kliniken mit nicht refinanzierten Kosten von Tarifsteigerungen, Sachkosten und anderen Preissteigerungen.

 

Wernerts Einschätzung wird schon lange von Studienergebnissen unabhängiger Experten untermauert. So spricht u.a. auch der Krankenhaus Rating Report aufgrund der Covid-Pandemie von einem „Sinken der stationären Fallzahl um dramatische 13 Prozent“, welches eine Veränderung des Systems erfordert.

 

Guido Wernert ist in Personalunion Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz Limburg des Evangelischen Krankenhauses Dierdorf/Selters (KHDS) und somit verantwortlich für vier Krankenhausstandorte über vier Landkreise hinweg. An den vier Standorten werden von insgesamt 2.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jährlich 37.000 stationäre sowie 90.000 ambulante Patientinnen und Patienten  behandelt. Seit Anfang des Jahres ist Wernert stellvertretendes Vorstandsmitglied der rheinland-pfälzischen Krankenhausgesellschaft.

 

Bild zur Meldung: Guido Wernert, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz Limburg und des Evangelischen Krankenhauses Dierdorf/Selters