Zukunftsfähige Krankenhauslandschaft

22.09.2021

MdL Lana Horstmann (SPD) und Martin Diedenhofen, der Bundestagskandidat der SPD für den Wahlkreis Altenkirchen/Neuwied überzeugten sich während ihres Besuchs im Evang. Krankenhauses Dierdorf/Selters (KHDS) von der Leistungsfähigkeit der Klinik. „Das Krankenhaus Dierdorf/Selters ist ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung in der Region und somit in meinem Wahlkreis“, so Lana Horstmann. Da sei es ihr mehr als ein Bedürfnis, die Klinik sowie die Verantwortlichen kennen zu lernen, sagte die SPD-Politikerin, die seit Mai 2021 Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags ist. Darüber hinaus will sie das Gespräch als den Beginn eines ebenso langfristigen wie konstruktiven Austauschs verstanden wissen, denn Lana Horstmann schätzt ein starkes Netzwerk. „Erzählen kann ich viel“, sagte die 34-Jährige. „Aber erreichen werden wir nur etwas, wenn wir notwendige Reformansätze für eine zukunftsfähige Krankenhauslandschaft mit den Experten vor Ort in der Klinik besprechen und von deren Know-How partizipieren.“ Martin Diedenhofen ergänzte: „Die Coronapandemie hat gezeigt: Deutschland hat ein überwiegend gutes Gesundheitssystem – es gibt aber Luft nach oben. Wir wollen ein modernes, zuverlässiges und flächendeckendes Krankenhaus- und Notfallversorgungssystem, das für jeden schnell erreichbar ist und das den Menschen in den Mittelpunkt stellt.“

Klare Strukturen – keine Angebotsdopplung

Der Geschäftsführer des KHDS Guido Wernert verwies in diesem Zusammenhang auf die dringende Notwendigkeit einer an den Patientenbedürfnissen orientierte Bereinigung der Krankenhauslandschaft. „Eine Abschaffung der starren Strukturen mit Trennung der Finanzierungssysteme der Krankenhäuser und Praxislandschaft ist hier genauso zentral wichtig wie auch die Stabilisierung der Krankenhauslandschaft durch eine zügige Abkehr fast ausschließlicher, variabler Finanzierung in größtenteils fixe Vorhaltefinanzierung.“ Eine strukturierte Reduzierung der Klinikzahlen in vorwiegend engmaschig, überversorgten Ballungszentren zu Gunsten der Sicherung der Flächenversorgung sei hierfür ein zukunftsorientierte Grundlage, so der Klinikmanager.

Als übergeordnetes Ziel verstanden alle Gesprächsteilnehmer die Sicherung einer wohnortnahen, ambulanten und stationären medizinischen Versorgung. Die grundlegende Herausforderung sei seit Jahren bundesweit der bestehende Haus- und Facharztmangel. „Der stabilisierende  Faktor in der medizinischen Versorgung sind vor allem die Kliniken. Sie übernehmen nicht nur die ambulante Notfallversorgung, sondern zunehmend ambulant fachärztliche Leistungen und ambulante Diagnostik“, so Wernert. Folgerichtig ergäben sich daraus Netzwerke von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäuser, die nicht nur eine bedeutende Rolle spielten, sondern strukturiert zu einer guten sektorenübergreifenden Versorgung führten. Als Projekte mit Leuchtturmcharakter nannte der KHDS-Klinikgeschäftsführer das jüngst mit der Westerwaldgemeinde Ransbach-Baumbach ins Leben gerufene Projekt „Gesundheitsregion Westerwald“. Mit politischen Vertretern der Verbandsgemeinden Selters, Dierdorf, Rengsdorf, Puderbach wie  Ransbach-Baumbach ist die Krankenhausgesellschaft in kooperativer Abstimmung, um Handlungsoptionen des Evangelischen Krankenhaus Dierdorf-Selters gGmbH in Bezug auf Sicherung von Arztsitzen und die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in der Region zu nutzen.

Dr. med. Reinhold Ostwald, der ärztliche Direktor des KHDS, verwies auf die Leistungsfähigkeit der Klinik, die sich aus einer an Patientenbedürfnissen fokussierten Struktur ergibt: „Unsere Klinik sichert mit dem Notfallstandort Dierdorf sowie dem Klinikstandort Selters, an dem u. a. eine zertifizierte Schlaganfalleinheit (Stroke Unit)  beheimatet ist eine – häufig überlebenswichtige – medizinischen Versorgung. Hierzu trägt die Leistungsfähigkeit unserer Mitarbeitenden aus Medizin und Pflege ebenso bei wie hochmoderne Medizintechnik.“ Bei den Gesprächspartnern bestand Einigkeit darüber, dass neue, in Planung befindliche Krankenhausstandorte diese gesunden und wichtigen Strukturen nicht durch Angebotsdoppelung belasten dürfen.

 

Vorgehen muss sich am Patientenwohl orientieren

Jörg Geenen, der stv. KHDS-Geschäftsführer berichtete aus dem operativen Klinikalltag, dass vor allem Bürokratie und Reglementierungsdichte des durch Bundesgesetze implementierten Gemeinsamen Bundesausschuss von Krankenkassen und Ärzten (GBA) ein großes Hindernis darstelle.

Darüber hinaus richtete er an  die Adresse der Landtagsabgeordneten als Beispiel für Bürokratie bei der Investitionsfinanzierung die Finanzierung der aktuellen Erweiterung der Stroke-Unit in Selters. Weil es bei dieser Maßnahme zum Wohl der Patientinnen und Patienten schnell gehen muss, finanzieren wir die Erweiterung der Schlaganfalleinheit aus Eigenmitteln. Der Antrag auf Einzelförderung beim Ministerium hätte uns viel zu viel Zeit gekostet.“  Guido Wernert ergänzt: „Wir als ein Haus in freigemeinnütziger Trägerschaft erwirtschaften unsere Investitionen und den Haushaltsausgleich allein über Ergebnisüberschüsse. Kommunalen Krankenhäusern beispielsweise können aus Steuergeldern bei Bedarf Ergebnisausgleich aus öffentlichen Mitteln und Zuschüsse für Investitionen gegeben werden.“ Auch vor diesem Hintergrund gelte es die Leistungsfähigkeit der Kliniken zu bewerten. „Eine Anerkennung vom Bund fehlt uns hierbei eindeutig“, so Wernert. Die KHDS-Klinikleitung mahnt vor allem die soziale Verantwortung aller Akteure im Gesundheitswesen an: „Wir haben einen Versorgungsauftrag, den wir so definieren: Wer unsere Häuser in Dierdorf und Selters aufsucht, erwartet richtige Diagnosen, erfolgreiche Therapien, moderne Medizintechnik und eine fürsorgliche Pflege. Das leisten wir. Aber wir erwarten von allen Akteuren im Gesundheitswesen ein am Patientenwohl orientiertes, partnerschaftliches Vorgehen.“  Dem stimmten Horstmann und Diedenhofen zu.

 

Auch zum wichtigen Thema  Fachkräftemangel – sowohl in der Medizin als auch in der Pflege -  konnten die Klinikvertreter aus aktuellen Projekten ebenso Erfolgreiches wie Praxisorientiertes berichten und den Politikern somit einen weiteren Einblick in Klinikspezifika gewähren. Lana Horstmann und Martin Diedenhofen bietet das für deren politische Arbeit einen großen Mehrwert: „Patient:innen und Bürger:innen wollen verstehen, was bei den Themen Gesundheit und Klinikreform im Detail passiert. Unsere Aufgabe ist es auch, sie zu informieren. Dieses Gespräch hat dazu in hervorragender Art beigetragen.“ Somit verabschiedeten sich die beiden Politiker mit Dank an Klinikleitung und Belegschaft und dem festen Vorhaben, die begonnen Gespräche mit den KHDS-Verantwortlichen zukünftig zu intensivieren und fortzusetzen.

 

Bild zur Meldung: v. l. n. r.: Janick Schmitz (Büro Horstmann), Guido Wernert (KHDS-Geschäftsführer), MdL Lana Horstmann, Martin Diedenhofen (Bundestagskandidat SPD), Jörg Geenen (stv. KHDS-Geschäftsführer) und Dr. med. Reinhold Ostwald (Ärztlicher Direktor des KHDS)