Wussten Sie, dass ein Krankenhausbett so viel Strom braucht wie vier Einfamilienhäuser?

27.08.2014

Beratungsfirma nahm Krankenhaus Dierdorf unter die Lupe – Nachhaltigkeit ist Trumpf

Ein Jahr ist es her, dass das Krankenhaus Dierdorf/Selters einen Preis für Energie-Effizienz gewonnen hat. Die Platzierung bei der Aktion des Kreises Neuwied brachte eine kostenlose Energieberatung für die Betriebsstätte Dierdorf ein: Es sollte noch mehr gespart und die Umwelt noch weiter entlastet werden. Die Ergebnisse der Beratungsfirma liegen jetzt vor.

"Wärmetechnisch überdurchschnittlich effizient"

„Das Gebäude ist wärmetechnisch überdurchschnittlich hinsichtlich der Gesamteffizienz einzustufen. Bezüglich des Stromverbrauchs liegt das Gebäude über dem Branchendurchschnitt.“ So die Kernsätze der Energieberatung Ewenz & Weingarten aus Kurtscheid. In einfacheren Worten: Beim Sparen von Heizenergie ist die Klinik gut, Strom jedoch verbraucht sie mehr als Andere – zumindest auf den ersten Blick.

817.000 Kilowattstunden im Jahr benötigt Dierdorf jährlich an Strom. Dass es trotzdem „nur“ zu Kosten von 83.795 Euro kam, liegt am Blockheizkraftwerk. Quasi als „Abfallprodukt“ der Wärmeerzeugung produzierte es 306.000 Kilowattstunden für den Eigenbedarf. (Die seit 2007 in Betrieb befindliche Photovoltaikanlage liefert ausschließlich Strom ans Netz, nicht zum Eigenverbrauch).

Der Energieverbrauch in Krankenhäusern wird verglichen, indem man ihn auf die Bettenzahl umlegt. Im Krankenhaus Dierdorf benötigt man 9284 Kilowattstunden Strom je Bett, was über dem Schnitt der Branche liegt.

Jedoch: Die Rechenart „pro Bett“ ist nicht ganz fair gegenüber kleinen Häusern. Die großen Stromfresser sind die Medizingeräte, Kühlungen, Lüftungen usw. Davon hat eine gut ausgestattete kleine Klinik nicht wesentlich weniger als eine große, kann aber den Verbrauch auf viel weniger Betten „umlegen“.

4 Millionen Kilowattstunden jährlich für Heizung

Zum Heizen benötigt das Krankenhaus Dierdorf fast 4 Millionen Kilowattstunden Energie im Jahr. Das bedeutet 17.546 Kilowattstunden je Bett und kostet 89.500 Euro. Dieser Wert liegt um bis zu 27 Prozent unter dem Branchenschnitt.

Tatsache bleibt jedoch, dass die Energiekosten seit langer Zeit jedes Jahr höher werden. Weitere Maßnahmen sind also gefragt. Die Fachleute von Ewenz & Weingarten empfahlen unter anderem, über die große Drehtür am Haupteingang nachzudenken (schaufelt warme Luft ins Freie und kalte nach innen) sowie den Boden des unbeheizten Aktenarchivs unter dem Dach zu dämmen.

Technikleiter Ralf Hoffmann prüft momentan eine ungewöhnlichere Idee: die erzeugte Wärme des Blockheizkraftwerks im Sommer in Kälte umzuwandeln und für die Klimatisierung der Lüftungsanlagen zu nutzen. Technisch ist das möglich, ob es auch wirtschaftlich ist, muss noch ermittelt werden.

Energieintensiver Betrieb Krankenhaus

Selten ist beim Thema „energieintensive Betriebe“ von Krankenhäusern die Rede, aber immerhin benötigt ein durchschnittliches Krankenhausbett so viel Energie wie drei Einfamilienhäuser. Würden sich alle Krankenhäuser in Deutschland mit Blockheizkraftwerken ausrüsten (bisher sind es nur 30 Prozent), könnte man nach Berechnungen der Fachvereinigung Krankenhaustechnik ein Atomkraftwerk stilllegen.

 

Zum Bild: Mehr als 120.000 Euro kostet das neue Blockheizkraftwerk, das kürzlich in der Betriebsstätte Dierdorf eingebaut wurde. Sein Vorgänger, eingebaut 2003, hatte jedoch in zehn Jahren Laufzeit ein Mehrfaches „eingespielt“.