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Schlaganfalleinheit erfolgreich rezertifiziert

12.08.2021

Die Anzahl vom Schlaganfall betroffener Patient:innen steigt von Jahr zu Jahr weltweit. In Europa erleiden jährlich circa 1,5 Millionen Menschen einen Schlaganfall – davon in Deutschland rund 270.000 Menschen. Die Spezialisierung der Schlaganfall-Behandlung begann mit der Eröffnung der ersten deutschen Schlaganfalleinheiten (Stroke Units) 1994 in Essen. Heute gibt es rund 300 zertifizierte Stroke Units in Deutschland für die akute Behandlung des Schlaganfalls. Seit mehr als zehn Jahren ist die Zertifizierung von Schlaganfalleinheiten in Deutschland ein allgemein anerkanntes Verfahren zur Qualitätssicherung. Bereits Anfang 2018 wurden der Stroke Unit im Evang. Krankenhaus Dierdorf/Selters (KHDS) hervorragende Qualitätsstandards von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bescheinigt. Die Schlaganfall-Einheit wurde mit dem Zertifikat „Qualitätsmanagement-System für eine regionale Stroke Unit“ ausgezeichnet. Diese etablierte Stroke Unit im Westerwald wurde aktuell erfolgreich rezertifizert. Damit wird dem Team unter Leitung des Chefarztes, Dr. med. Benjamin Bereznai, PhD erneut bescheinigt, zeitnahe Diagnostik und Therapie von Schlaganfallpatienten nach den aktuellen Standards der Fachgesellschaft lückenlos zu jeder Tag- und Nachtzeit und an jedem Tag des Jahres auf sehr hohem Niveau gewährleisten zu können.

Neurologische Leitung

Die Selterser Stroke Unit steht unter neurologischer Leitung. „Die Behandlung auf neurologisch geführten Stroke Unit kann die Sterblichkeit von Schlaganfallpatienten erheblich mindern und den Schweregrad einer Behinderung entscheidend verbessern, denn eine spezialisierte Schlaganfalleinheit ist von enormer Bedeutung für den weiteren Verlauf“, erläutert Dr. Bereznai.  Auf der Schlaganfall-Station in Selters werden Patienten rund um die Uhr behandelt und überwacht. Dabei erfolgt ein kontinuierliches Monitoring z. B. von Blutdruck, Herzschlag, Körpertemperatur und Sauerstoffgehalt im Blut. Die Station verfügt neben den diagnostischen Möglichkeiten über entsprechend spezialisierte Betten zur optimalen Überwachung und Behandlung von Schlaganfall-Patienten. Diese werden durch ein Team aus speziell ausgebildeten Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Neuropsychologen betreut. „Wir sind sehr stolz, dass wir die Rezertifizierung  unserer Schlaganfalleinheit erhalten haben und das anspruchsvolle Qualitätsmanagement erfüllt haben “, so der KHDS-Geschäftsführer Guido Wernert. „Die Menschen in der Region können sich darauf verlassen, bei uns auf bestens geschultes Personal und moderne Medizintechnik zu treffen, das in 24-Stunden-Bereitschaft Patientenversorgung auf höchstem Niveau gewährleistet.“ Bei einem Schlaganfall entscheiden Minuten über Leben und Gesundung der Patienten. Aufgrund der Durchblutungsstörung im Gehirn sterben in der Folge Nervenzellen ab. Für die Betroffenen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Auf der Schlaganfalleinheit in Selters ist das Ziel, so schnell wie möglich eine qualitativ hochwertige und umfassende Versorgung zu gewährleisten. Die KHDS-Stroke Unit  wird mit ihren vorhandenen diagnostischen Möglichkeiten im stationären Bereich durch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) mit dem Schwerpunkt Neurologie ergänzt. Damit ist auch eine nachstationäre Weiterbehandlung sichergestellt.

Ausbau der Stroke-Unit Selters

Der Chefarzt der KHDS-Neurologie, Dr. Benjamin Bereznai, PhD sieht mit Sorge, dass während der Corona-Pandemie bundesweit die Zahl der kurzdauernden Schlaganfallvorboten wie Sehstörungen, vorübergehende Lähmungserscheinungen, vorübergehende Sprachstörungen – kurz auch TIA genannt -  oder leichteren Schlaganfällen, die zu Aufnahmen auf Stroke Units führen, zurückgehen.  Dabei ist genau das, so der Mediziner, ein Fehler mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen: Das Risiko für einen weiteren Schlaganfall ist in den ersten Wochen nach einer TIA oder einem leichteren Schlaganfall besonders hoch. Auch deswegen sollten alle Patienten mit Schlaganfällen auch weiterhin schnellstmöglich auf den dafür spezialisierten Stroke Units gesehen und behandelt werden.   „Auch in Corona-Zeiten ist es wichtig, dass die Patienten schnell notärztliche Hilfe suchen. Nur so kann eine unverzügliche und bestmögliche Versorgung auch weiterhin gewährleistet werden,“ erklärt der Mediziner. Die während der Pandemie gewonnen Erfahrungen führen dazu, dass das Evang. Krankenhaus Dierdorf/Selters seine Schlaganfalleinheit in Selters deutlich erweitern wird. „Die Anzahl der Schlaganfallerkrankungen ist während der Pandemie nicht weniger geworden.  In unserer Stroke-Unit haben wir auch während der Krise eine qualitativ hohe und in vielen Fällen lebensrettende Schlaganfallversorgung sichergestellt. Hiermit verbunden waren fraglos enorme organisatorische Notwendigkeiten. Der Bedarf und eine optimale Organisation führen uns zu dem Entschluss, unsere Stroke-Unit um  50 % deutlich erweitert auszubauen, “ so die Klinikverantwortlichen. Der Bauantrag für diese zukunftsträchtige Baumaßnahme sei bereits gestellt. Somit wird die Schlaganfallbehandlung durch die KHDS-Stroke Unit auf hohem Niveau zum Wohl der Patient:innen im Westerwald sicher gestellt.

 

Bild zur Meldung: BUZ: (v.r.n.l.) Jörg Geenen, stv. Geschäftsführer, Dr. Peter Flies, Chefarzt Innere Medizin/Kardiologie, Dr. Benjamin Bereznai, PhD (Chefarzt Neurologie), Martin Roezel (Intensivfachkrankenpfleger), Luisa Radermacher (Physiotherapeutin), Hanno Drießen (Ergotherapeut), Yvonne Kröll (Logopädin) auf dem Foto fehlen: Tobias Ellinger (Oberarzt Neurologie), Heidrun Weese-Alebiosu (Neuropsychologin) und Ingrid Wallendorf (Chefärztin Anästhesie und Intensivmedizin)